PRESSEMITTEILUNG DES BADISCHEN FUSSBALLVERBANDES E.V. Nr. 24/2016 vom 21. März 2016

 
 

DFB - Konferenz „Flüchtlinge im Verein“ mit Vertretern aus Baden/SC 08 Reilingen

Dortmund. Im Vorfeld zur Verleihung des DFB Mercedes-Benz Integrationspreises fand in Dortmund die Konferenz „Im Fußball zu Hause! Flüchtlinge im Fußballverein" statt. Helmut Sickmüller (bfv-Integrationsbeauftragter) sowie Ulrich Kief und Hans Kneis (1. und 2. Vorsitzender des SC 08 Reilingen) nahmen als Vertreter des Badischen Fußballverbandes (bfv) teil.

160 Vertreter aus den Landesverbänden, von Vereinen sowie aus der Wissenschaft und Zivilgesellschaft diskutierten in verschiedenen Arbeitsgruppen und arbeiteten Herausforderungen und Lösungsansätze zur Integration von Flüchtlingen heraus.

„Bei den Workshops haben wir viele neue Ideen aufgegriffen. Das große Netzwerk von Behörden, Kommunen, Vereinen und Verband sollten wir nutzen, um Flüchtlinge in die Gesellschaft und den Fußball zu integrieren“, sagte Ulrich Kief vom SC 08 Reilingen. Der SC integriert Flüchtlinge aus Gambia, mittlerweile auch aus Syrien- und dem Irak, in den Trainings- und Spielbetrieb. Auch außerhalb des Fußballsports engagiert sich der Verein für die neuen Kameraden, z.B. bei der Vermittlung von Arbeitsplätzen und Wohnraum. Das Beispiel des SC 08 Reilingen steht beispielhaft für das umfassende Engagement vieler weiterer bfv-Vereine für Flüchtlinge.

Helmut Sickmüller zeigte sich beeindruckend vom bundesweiten Engagement der Vereine für Flüchtlinge: „Die Konferenz hat gezeigt, dass die Fußballfamilie die Integration von Flüchtlingen als große Chance sieht, die wir alle nutzen sollten.“

Die Egidius-Braun-Stiftung, die Nationalmannschaft und die Bundesregierung unterstützen im Rahmen der DFB-Flüchtlingsinitiative „1:0 für ein willkommen“ bundesweit bereits über 1500 Vereine. Davon haben beim bfv über 60 Vereine einen Scheck in Höhe von 500 Euro für ihr Flüchtlingsengagement überreicht bekommen.

Foto: Integration; Ulrich Kief, Helmut Sickmüller, Gül Kesinler (DFB-Integrationsbeauftragte) und Hans Kneis bei der Konferenz in Dortmund.
Foto2: Integration; Ulrich Kief,Jimmy Hartwig (DFB-Integrationsbeauftragte) und Hans Kneis bei der Konferenz in Dortmund.

Stm, 21.03.2016


Nach einer Odyssee endlich Fuß fassen

zeitunsbericht

©Schwetzinger Zeitung


 

„Bin ein Teil der Mannschaft“

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 06.10.2015

REILINGEN/MANNHEIM. Der 23. August 2015 war ein besonderer Tag in der Vereinsgeschichte des SV Babelsberg 03. Dass der Klub zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder eine dritte Mannschaft in den Spielbetrieb schickte, war hierbei nur eine Randerscheinung. Dass dieses Team unter dem Namen Welcome United Babelsberg startete, war hingegen spektakulärer. Als erster Verein Deutschlands integrierte der Klub aus Potsdam eine Mannschaft in seine Vereinsstrukturen, die nur aus Flüchtlingen besteht und in dieser Saison in den Spielbetrieb aufgenommen wurde.

Doch auch im Mannheimer Fußballkreis leisten die Vereine vorbildliche Arbeit bei der Integration von Flüchtlingen. Vorreiter und quasi Pionier war hierbei der SC 08 Reilingen, der im vergangenen Jahr Spieler aus Gambia in den Trainingsbetrieb einbaute. "Im Sommer 2014 fragten vier Gambier nach, ob sie in Reilingen mittrainieren dürfen. Wir stimmten zu, danach standen 17 Mann da, teilweise barfuß, mit Jeans und Straßenschuhen", erinnert sich SC-Präsident Uli Kief.

"Überragender Erfolg"

"Wir starteten nach einigen Wochen einen Aufruf an die Mitglieder und Bevölkerung hinsichtlich Winterkleidung und Decken. Das war ein überragender Erfolg und alle 28 in Reilingen untergebrachten Gambier, ob Fußballer oder nicht, wurden erfolgreich versorgt."

Mit weiteren Aktionen unterstrich der Klub, dass das Wort "Integration" auch mit Leben gefüllt wurde. Inzwischen zählten Lamine Ceesay und Muhammed Camara zu festen Größen in der A-Klasse-Mannschaft der Reilinger. "Hier bin ich kein Flüchtling, sondern ein Teil der Mannschaft. Gemeinsam mit den Mitspielern zu kämpfen und zu gewinnen, ist ein sehr schönes Gefühl", sagt Ceesay. "Durch die Hilfe der Menschen sind wir ein Teil von Reilingen geworden, beginnen, die deutsche Sprache zu sprechen und wissen, wo wir uns hinwenden müssen. Ohne den integrativen Deutschkurs, der mit Unterstützung des SC 08 Reilingen initiiert wurde, wären wir immer noch aufgeschmissen."

Doch auch der A-Ligist unterliegt hier rein sportlich gesehen den Problemen der Nachhaltigkeit. Derzeit leben nur noch elf Gambier in Reilingen, alle anderen wurden im März dieses Jahres nach Wiesloch umverteilt. "Wenn nicht klar ist, ob die Jungs im nahen Umkreis bleiben, sind die Vereine eher zurückhaltend", glaubt Kreisvorsitzender Harald Schäfer. "Ansonsten gehen die Vereine offen auf Flüchtlinge zu. Ich glaube, die Bereitschaft zur Hilfe ist überall vorhanden."

Auch Mehmed Paljevic sieht die zeitliche Komponente als schwierig an. "Wir müssen internationale Spielerwechsel beantragen, dazu die Pässe anfordern, was alles Zeit und Geld kostet. Wenn dann die Spieler nur für ein paar Wochen da sind, bleiben wir auf den Kosten sitzen", sagt das Vorstandsmitglied des FK Bosna Mannheim. Dennoch zeigt sich der Klub auch weiterhin offen und beherbergt Spieler aus Pakistan, Bulgarien und Afrika, die demnächst auch die Spielerlaubnis erhalten sollen.

Den tristen Alltag auflockern

Auch beim FC Germania Friedrichsfeld wurde vor der Saison ein Sporttag für Flüchtlingskinder abgehalten, bei dem die Kinder Fußballschuhe und Trikots erhielten. Zudem folgte die Friedrichsfelder Bevölkerung großzügig einem Spen-denaufruf. "Die Aktionen war natürlich hervorragend geeignet, die Kinder ein bisschen aus ihrem Alltag zu reißen. Viele haben ja auch zum ersten Mal Fußballschuhe bekommen", sagt FC-Vorsitzender Bernd Hoffmann.

Spieler aus Gambia integriert haben ferner auch die SG Hemsbach/ Sulzbach (Kreisliga) und der KSC Schwetzingen (C-Klasse). "Sie erzählen uns von ihren Erlebnissen, die wir nicht nachempfinden können, da wir in Europa solche Situationen einfach nicht haben", erklärt KSC-Spielausschuss Erkan Akbay.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 06.10.2015


Reilinger SC 08 integriert Flüchtlinge mit Fußball

©Bericht und Bild RNZ

Elf gambische Flüchtlinge fanden durch den SC 08 erstmals wieder Halt und Lebensmut -

Derzeit läuft ein Integrationskurs

Von Stefan Kern

Reilingen. Die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende. Aber egal, wie sie auch ausgehen mag, eine Erfolgsgeschichte ist sie allemal. Seit knapp einem Jahr kümmert sich der SC 08 Reilingen und ein ganzes Netzwerk rund um Nicola Höfs um elf gambische Flüchtlinge. Wobei Kümmern das Ganze eigentlich nicht wirklich trifft, denn die jungen Männer seien auf so vielen Ebenen eine Bereicherung für den Verein und Reilingen, dass Höfs von Glück spricht, sie hier zu haben. "Sie lernen Deutsch, und ich lerne Welt." Und für den Verein selbst schießen die elf Gambier außerdem Tore. Und zwar in der ersten und zweiten Mannschaft. Der Fußballplatz mutiert hier also zu einem Integrationshotspot.

"Leuchtturmprojekt der Region"

Seit September 2014 spielen Ousman Kanyi, Adama Sowe, Bully Krubally, Camara Muhammed, Famara Darboe, Samba Jawo, Sarjo Fofana, Lamin Ceesay, Safor Kanten, Buba Jadama, Ali Jawo, Erdrisa, Madi und Abdulai beim SC 08. Und damit ist der Fußball für sie so etwas wie eine Brücke in die Mitte der Gesellschaft geworden. Viele von ihnen hatten Schlimmes erlebt. Hilflosigkeit und Ohnmacht auf der Flucht und in Teilen natürlich auch hier. Im Verein fanden sie erstmals wieder Halt und Lebensmut.

Neben dem unschätzbaren Erlebnis von Gemeinschaft im Verein ist in den vergangenen Monaten darüber hinaus ein ganzes Bündel an Maßnahmen angelaufen. Einziges Ziel, den elf jungen Männern eine Zukunft in Deutschland ermöglichen, damit sie sich wieder als Teil einer Gemeinschaft empfinden und gebraucht fühlen. Aktuell steht, auch dank des mit 2500 Euro dotierten Rotary Awards, gerade ein intensiver Integrationskurs an. In den 100 Stunden, so Höfs, gehe es bei Weitem nicht nur um Deutschkenntnisse. "Uns geht es darum, dass die Jungs hier auch all die Alltagsregeln und Umgangsformen kennenlernen."

Dazu gehören auch schon Kurse in Körpersprache, die Erfahrung von eigenen Fähigkeiten und Stärken, aber auch Schwächen und eine Sprache, mit der man eigene Wünsche formulieren kann. Dabei haben ganz einfache Dinge wie gemeinsam einen Einkaufszettel schreiben, einkaufen gehen sowie anschließend gemeinsam kochen und essen große Effekte.

Ganz wichtig ist dem Verein dabei, dass die Elf irgendwie einen Fuß in die Arbeitswelt bekommen. Egal, ob Praktikum, Ausbildung oder Arbeitsplätze im Handwerk, wichtig sei nur, dass sich die Stelle in Reilingen oder der näheren Umgebung befindet. Wunschbereiche sind Unternehmen in den Bereichen Gärtnerei, Sanitär, Dachdecker, Zimmerei, Maler, Logistik, Elektrizität und Schreinerei. Aber auch Jugendarbeit oder Altenpflege seien vorstellbare Berufsfelder. Natürlich gebe es keine Zeugnisse. Aber, so Höfs, "es sind sehr motivierte Mitarbeiter".

So wichtig wie eine integrationsbereite Gesellschaft sei die Bereitschaft jedes Einzelnen, sich einzubringen. Und mit dem Erlebnis Fußball und dem SC 08 im Hintergrund, der Freude am Spiel und dem Gefühl, dazuzugehören, scheint das mit der Motivation zu klappen. Kein Frust oder Resignation, sondern der Wille dabei zu sein und in die Mitte zu gehören.

Das ist auch der Grund dafür, dass der Präsident des Rotary Clubs, Andreas Kunze, in Sachen Flüchtlingsarbeit von einem "Leuchtturmprojekt in der Region" spricht. "Die Gesellschaft braucht Orte der Begegnung, um Vorurteile zu überwinden und den Menschen eine neue Heimat zu geben. Einer dieser Orte ist der SC 08 Reilingen."

Uli Kief, der 1. Vorsitzende des SC 08, ist denn auch sichtlich stolz auf seinen Verein und die gambischen Spieler. Bedauerlich sei nur, dass jederzeit eine Abschiebung drohe. Das stelle das Engagement des Vereins und so vieler Menschen infrage. Unsicherheit zerstöre Zuversicht.

Höfs wünscht sich denn auch eine Art Politikwechsel, und zwar "Menschen unterstützen und nicht zermürben".


Leuchtturm für Integration

Leuchtturm für Integration - Rotary Award 2015 für das Engagement des SC08 Reilingen

 
Bild von ls.
Dr. Götzman (Rotary), Uli Kief, Nicola Höfs, Ousman Kanyi, Lamin Ceesay, Hans Kneis , Andreas Kunze (Rotary).
Bild :D. List

 

Verein setzt sich für Integration der in Reilingen lebenden gambischen Flüchtlinge ein

„Ich stehe hier als Stellvertreter für meine gambischen Mitspieler im SC08. Wir bedanken uns bei den Vorständen, bei unseren Mitspielern, den Fans und bei den Menschen aus Reilingen." So Lamin, Asylbewerber aus Gambia, in englischer Sprache anlässlich der Überreichung des Rotary Award 2015 durch Präsident Andreas Kunze.
Sein Landsmann Ousman versicherte stolz: „Und nächstes Jahr werden wir sie auf Deutsch begrüßen!" Der Preis ist mit einer Summe von 2.500,- Euro verbunden und unterstützt einen einjährigen Sprachkurs. Die staatliche Förderung greift hier zu kurz. Im Kurs wird nicht nur Deutsch in Schrift und Wort gelehrt, sondern es werden auch Alltagsthemen eingeübt, Rechtskunde unterrichtet, Bewerbungen geschrieben und Tätigkeiten in Handwerksbetrieben simuliert.
Der Wille zur Eingliederung beginnt bei jedem Einzelnen, Flüchtlingshilfe ist kein flüchtiges Ereignis, sondern jeder Einzelne muss bereit sein sehr viel Energie und Zeit zu investieren. Orte für Integration sind vor allem auch Sportplätze. Sport kann Hürden überwinden, es geht dabei um den gemeinsamen Erfolg, die Freude am Spiel, das gemeinsame Jubeln beim Sieg. Der SC08 Reilingen lebt dies mit seinen Spielern und Fans mit vielen anderen engagierten Sportvereinen im Land vor.
Das ist der Grund, warum sich der Rotary Club für die Auszeichnung des SC08 entschieden hat. Der Präsident der Rotarier Andreas Kunze nennt das Engagement „ein Leuchtturmprojekt in der Region"; er weist darauf hin, dass das Thema Flüchtlinge in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Kriegs- und Krisengebiete auf der ganzen Welt lösen eine Welle von Flüchtlingen aus, wie sie vor 70 Jahren unsere Eltern und Großeltern erleben mussten. Die Gesellschaft braucht Orte der Begegnung, um Vorurteile zu überwinden und den Menschen eine neue Heimat zu geben. Einer dieser Orte ist der SC08 Reilingen.
Die meisten Flüchtlinge sind traumatisiert, haben Familie und Freunde verloren, haben Menschen sterben sehen, schwere Schäden an Körper und Seele genommen. Aktives Training und Einbindung im Verein helfen diese Ereignisse zu verarbeiten und geben Halt und eine verantwortungsvolle Position in der Spielergemeinschaft.
Sich nützlich zu fühlen und ein Teil der Gesellschaft zu werden, das bedeutet für die gambischen Flüchtlinge, die immer noch im Asylstatus sind, die deutsche Sprache zu lernen, Bildung, Arbeit und Ausbildung, vor allem aber auch mit Leidenschaft Fußball im SC08 Reilingen zu spielen.
Uli Kief, 1. Vorsitzende des SC08 Reilingen resümiert: „Ich bin stolz auf unsere gambischen Spieler und genauso stolz auf alle Aktiven im Verein, denn sie sind es, die Integration möglich machen. „
Der 2. Vorsitzende des Fußballvereins, Hans Kneis fügt noch hinzu:„Bei aller Freude an so einem Tag bleibt aber die ständige Angst vor nächtlichen Polizeieinsätzen zur Abschiebung- Die Sorge darum, wie es in einem Jahr aussieht, stellt unser Engagement immer wieder in Frage!"
Nicola Höfs, die den Verein ehrenamtlich unterstützt, ergänzt: „Von der Politik wünschte ich mir Konzepte, die Integrationswillige unterstützen und nicht die Menschen zermürben. Wenn Flüchtlinge in ständiger Ungewissheit leben, verpuffen alle Maßnahmen und unser ehrenamtlicher Einsatz ist vergeblich. Wir wollen keine Freunde auf Zeit! Die logische Konsequenz gelungener Integration ist für mich das Bleiberecht." NH


 

 

Flüchtlinge und Mitglieder Hand in Hand

 

Beim SC 08 Reilingen ist Frühjahrsputz angesagt. Unter der Leitung von Einsatzleiter Thomas Hoffmann und Philip Gärtner wurden zum einen die drei Garagen zur Straßenseite , das Kassenhäuschen und die Bandenfläche abgestrahlt,saniert, grundiert und gestrichen.
Unter tatkräftiger Mithilfe von Dedlev Garvs, Rudi Kneis und unseren gambischen Flüchtlingen Mohamed,Fuffy und Adama wurden innerhalb einer Woche das Projekt umgesetzt und das Sportgelände erstrahlt jetzt pünktlich zum Frühjahr im neuen Glanz.
Positver Nebeneffekt dieser Aktion, war das zusammenrücken der SC 08er mit den Flüchtlingen und das nicht nur bei der Arbeit , sondern auch nach Feierabend.


 

Karlsruher Wochen gegen Rassismus 2015

© Badischer Fußballverband

 
 

 

150 Gäste zeigen „Rassismus die Rote Kar-te" - Filmvorführung des Badischen Fußballverbandes im jubez

Karlsruhe. Im Rahmen der Karlsruher Wochen gegen Rassismus 2015 präsentierte der Badische Fußballverband (bfv) am Mittwoch in Kooperation mit der Fachstelle gegen Rechts im Stadtjugendring Karlsruhe den Film „Wie im falschen Film". Die anschließende Podiumsdiskussion war prominent besetzt, unter anderem mit KSC-Profi Reinhold Yabo.

Die Botschaft, die vom Abend und den Karlsruher Wochen gegen Rassismus ausgehen sollte, hob bfv-Geschäftsführer Uwe Ziegenhagen in seinen Begrüßungsworten hervor: „Lasst uns heute Abend und auch zukünftig ein gemeinsames Zeichen setzen und Rassismus die Rote Karte zeigen." Über 150 Zuschauerinnen und Zuschauer schauten anschließend gespannt die 45minütige Filmdokumentation „Wie im falschen Film" von Show Racism the Red Card e.V.

In „Wie im falschen Film" schildern Fußballerinnen und Fußballer ihre Erfahrungen mit Rassismus und Diskriminierung auf dem Fußballfeld. So kommen Europameisterin Anja Mittag (FC Rosengård), Alexander Dolderer, vom schwulen Münchener Fußballteam, „Streetboys" sowie Otto Addo, Ex-Profi und U19-Trainer beim Hamburger SV zu Wort. Auch Andreas Beck von 1899 Hoffenheim, geboren in der ehemaligen Sowjetunion erzählt seine Sicht, als er Anfang der 90er Jahre nach Deutschland kam.

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Moderator Winnie Heck berichteten Nadine Imhof (bfv-Vizepräsidentin für Frauen- und Mädchenfußball), Reinhold Yabo (KSC-Profi und Mitglied des Karlsruher Gemeinderats), Andreas Hellstab (Filmproduzent) und Ulrich Kief (1. Vorsitzender SC 08 Reilingen) über ihre Erfahrungen zu Rassismus und Diskriminierung.

Ein ausführlicher Artikel mit Stimmen des Abends folgt in der kommenden Ausgabe von Sport in BW (Heftteil: Fußball in Baden).

Stm, 26.03.2015

U 13 Junioren gegen Rassismuns

"Zeig Rassismus die Rote Karte!" Gemäß diesem Motto machten sich zwei Spieler der U13 des FC Astorias auf dem Weg nach Karlsruhe , um an einer vom badischen Fussbalverband organisierten Podiumsdiskussion beizuwohnen. Stargast des Abends war KSC Profi , Reinhold Yabo , Sohn kongolesischer Einwanderer, der den Gästen Rede und Antwort stand.

Die U13 Junioren des FCASTORIA hatten in den letzten Wochen viel Kontakt mit den in Reilingen lebenden und fussballspielenden Flüchtlingen aus Gambia, die ihrerseits Turniere und Spiele der U13 supporten und auch schon gemeinsam den Kinofilm "Die Mannschaft" besuchten.


 

Hoffenheim gegen Hamburg, eine erfolgreiche Begegnung nicht nur für den Fußball

SC 08 Reilingen und Freunde besuchten die Begegnung Hoffenheim gegen Hamburg
Wenn sich 43 Spieler und Freunde des Vereins aufmachen, um ein Bundesligaspiel anzuschauen, ist das schon etwas Besonderes. Wenn aber 11 davon
Schüler der Carl-Theodor-Schule in Schwetzingen, kooperierende Schule mit dem SC 08 Reilingen, sind, so ist das schon fast ein Fest.
Die Hoffenheimer wussten dies offenbar unbewusst zu schätzen: Im ausverkauften Stadion zeigten sie eine gute Leistung und besiegten Hamburg mit
3: 0.

Organisator des gemeinsamen Besuchs war Michal Strnad, aktiver Spieler des SC O8 Reilingen und Trainer beim FC-Astoria Walldorf, der durch die
Organisation „Anpfiff ins Leben" Freikarten für das Bundesligaspiel bekommen hatte. Michal freute sich über den erfolgreichen Nachmittag und die Be-
geisterung der vielen Teilnehmer: „So eine Aktion lässt Dämme brechen - die gambischen Mitspieler und wir rücken noch näher zusammen: Es ergibt
sich die Möglichkeit zu unbeschwerten Gesprächen und zum gemeinsamen Jubeln."
Ousman aus Gambia brachte es auf den Punkt: „Es war ein Abenteuer, nicht nur das Spiel, sondern vor allem die Atmosphäre im Stadion und die Be-
geisterung der Hoffenheim-Fans." Sein Kollege Lamin bestätigte: „Bisher habe ich die Spieler nur im Fernsehen gesehen. Nun saß ich am Spielfeldrand:
Das war absolut aufregend."

Robert, Schüler der Carl-Theodor-Schule und selbst einmal aktiv für Hoffenheim resümierte, das Beste sei gewesen, dass sein ehemaliger Verein auch noch
gewonnen habe. Alles in allem ein überwältigender Nachmittag, den nicht nur die Hoffenheim-Fans gefeiert haben.
NH


 

Podiumsdiskussion mit Reinhold Yabo und Uli Kief

© Badischer Fußballverband

 

Der Badische Fußballverband (bfv) baut sein gesellschaftliches Engagement weiter aus und setzt im Rahmen der Karlsruher Wochen gegen Rassismus 2015 (13. bis 29. März) ein Zeichen gegen Diskriminierung und Fremdenhass. In Kooperation mit dem jubez und der Fachstelle gegen rechts im Stadtjugendausschuss Karlsruhe e.V. präsentiert der bfv am Mittwoch, 25. März 2015 um 19 Uhr im jubez in Karlsruhe den Film „Wie im falschen Film".

Das bfv-Präsidium hat in seiner letzten Sitzung im März 2015 die Themen „Fair Play, Rassismus und Diskriminierung" ausführlich behandelt und kommt einhellig zu dem Ergebnis: „Wir zeigen Rassismus die Rote Karte!". Denn „Fair Play, Respekt und Toleranz sind elementare Grundlagen des Fußballsports", betont bfv-Präsident Ronny Zimmermann. „Diese Message muss in allen Köpfen fest verankert werden und dafür setzen wir uns ein. Zum Beispiel mit dem Projekt „4 Schrauben für Zivilicourage, bei dem sich schon fast 100 Vereine beteiligen."

Jetzt folgt mit der Filmvorführung die nächste Aktion während der Karlsruher Wochen gegen Rassismus. In „Wie im falschen Film" schildern Fußballerinnen und Fußballer ihre Erfahrungen mit Rassismus und Diskriminierung auf dem Fußballfeld. Es kommen Europameisterin Anja Mittag (FC Rosengård), Alexander, Dolderer vom schwulen Münchener Fußballteam, „Streetboys" sowie Otto Addo, Ex-Profi und U19-Trainer beim Hamburger SV zu Wort. Auch Andreas Beck von 1899 Hoffenheim, geboren in der ehemaligen Sowjetunion erzählt seine Sicht, als er Anfang der 90er Jahre nach Deutschland kam.

Nach der Filmvorführung (45 Minuten) folgt eine Podiumsdiskussion mit Nadine Imhof (bfv-Vizepräsidentin für Frauen- und Mädchenfußball), Reinhold Yabo (KSC-Profi und Mitglied des Karlsruher Gemeinderats), Ulrich Kief (1. Vorstand SC 08 Reilingen) und Andreas Hellstab (Filmproduzent, Show Racism The Red Card Deutschland e.V.). Es moderiert der Journalist Winnie Heck. Der Eintritt ist frei!

Veranstaltungsadresse: jubez Karlsruhe, Kronenplatz 1, 76133 Karlsruhe

© Badischer Fußballverband


 

Chance auf Integrationspreis?

Bericht: Schwetzinger Zeitung

 

 In Sachen Integration am Ball bleiben: Carina, Yilmaz, Naomi, Vanessa, Ronny Zimmermann,

Uwe Ziegenhagen und zwei Gambier, die beim SC 08 kicken, (v. l.) sprechen sich klar gegen Rassismus aus.

© Schäfer

Reilingen/Schwetzingen. Mit Ronny Zimmermann die Schulbank drücken - das dürfte für so manchen Fußballfan im Schulalter ein Traum sein. Klang der Name für die Asylbewerber aus Gambia, die beim SC 08 kicken, zunächst noch fremd, so kamen drei von ihnen in den Genuss, den Präsidenten des Badischen Fußballverbandes (BFV) und Vizepräsident des Deutschen Fußballverbandes hautnah im Klassenzimmer zu erleben. Denn die Zwölftklässler des Seminarkurses "Sport und Sportbusiness" der Carl-Theodor-Schule Schwetzingen (CTS), die sich mit Lehrerin Nicola Höfs und ihrem Kollegen Karl-Ludwig Münkel der afrikanischen Fußballer angenommen haben (wir berichteten), hatten ihn zum Austausch eingeladen.

Welche Möglichkeiten hat der bfv in Sachen Integration? Diese Frage dominierte den Nachmittag, an dem allerdings auch Themenbereiche wie Gewalt im Sport, Förderung des Behindertensports sowie Homosexualität im Fußball angeschnitten wurden. Ein bisschen aufgeregt zeigten sich die Schüler des Seminarkurses schon bei dem hohen Besuch: Ronny Zimmermann hatte schließlich gleich noch bfv-Geschäftsführer Uwe Ziegenhagen und Stefan Moritz, beim bfv für gesellschaftliche Themen verantwortlich, mitgebracht.

In vielen Nationen zu Hause

Dass Fußball ein ideales Medium ist, um integrativ zu vermitteln, machte Ronny Zimmermann den Schülern deutlich. Die beim SC 08 aktiven Gambier sind dafür ein gutes Beispiel. "Bei fast allen Nationen ist Fußball zu Hauses - daher lässt sich da schon viel machen", erläuterte der bfv-Präsident. Dennoch sind dem Verband selbst die Hände gebunden. Hatten sich die Schüler der CTS Unterstützung für die inzwischen befreundeten Asylbewerber in Reilingen erhofft - in erster Linie Mittel, um den jungen Männern die beiden weiterführenden Deutschkurse zu ermöglichen - so bedauerten die Verbandsvertreter, hier nicht viel tun zu können. "Das Hindernis sind die Mittel", erläuterte Zimmermann. Das Geld, das dem bfv zur Verfügung stehe, sei zweckgebunden. "Wir müssen Verwendungsnachweise führen und stoßen so politisch gesehen an gewisse Grenzen", erklärte Uwe Ziegenhagen. Würde der Verband flächendeckend ein solches Projekt unterstützen, würden rund 100 000 Euro benötigt.               

Ronny Zimmermann sieht hier die Politik in der Pflicht, entsprechende Mittel zur Verfügung zu stellen. Denn so wie in Reilingen gebe es viele Vereine, die in einer ähnlichen Situation stecken, ergänzte Ziegenhagen. "Wobei es bei Asylbewerbern immer ein Problem ist, Mittel zu bekommen, weil unklar ist, wie lange ihr Aufenthalt in Deutschland sein wird", bedauerte der bfv-Präsident.

Passende Kampagne des DFB

Welche Rolle Integration im Fußball spielt, machte Stefan Moritz deutlich. Er zeigte den Schülern das Video einer DFB-Kampagne, dessen Gesicht Cari vom Rot-Weiß Norderstedt ist - ein farbiger Spieler. "Sein Pass spielt keine Rolle. Seine Pässe dagegen schön", ist die Message, die der DFB hier aussendet, eine Botschaft, die beim SC 08 Reilingen gelebt wird. "Bis 2030 wird jeder zweite bis dritte Fußballer in Deutschland einer mit Migrationshintergrund sein", sagte Moritz - eine Nachricht, die den Gambiern ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Ihnen teilte er auch mit, dass es im bfv zahlreiche eigene ethnisch geprägte Vereine gibt, in denen Türken, Griechen, Spanier und Co. stark vertreten sind.               

Dass das Thema Flüchtlinge in der bfv-Integrationskommission zum Thema wird, sicherte Stefan Moritz den Schülern zu. Um den kickenden Gambiern in Reilingen zu helfen, regte Uwe Ziegenhagen an, den SC 08 als Kandidat für den Integrationspreis des DFB vorzuschlagen, der bereits seit 2007 regelmäßig ausgeschrieben wird. Denn dass der Einsatz, den der Verein für die jungen Männer zeigt, vorbildlich ist und auch das Engagement der CTS-Schüler keine Selbstverständlichkeit ist, darin waren sich alle einig. "Wir können dankbar sein, dass wir in Deutschland leben und nicht in der Haut der Flüchtlinge stecken", brachte es Ronny Zimmermann am Ende des Nachmittags noch einmal auf den Punkt, bevor er mit seinen Kollegen das Klassenzimmer verließ.               

© Schwetzinger Zeitung,                          Freitag, 13.03.2015


 

Flüchtlingsschicksal beschäftigt Schüler

© Schwetzinger Zeitung, Montag, 02.03.2015

CARL-THEODOR-SCHULE:

Grünen-Landtagsabgeordneter Manfred Kern stellt sich Fragen des Seminarkurses „Sport und Sportbusiness"

Integration durch Sport ist einer der Schwerpunkte des Seminarkurses "Sport und Sportbusiness" der Carl-Theodor-Schule.

Und diesem stellte sich Grünen-Landtagsabgeordneter Manfred Kern in einer Fragerunde. Neben den Schülern und ihrem

Lehrerteam Nicola Höfs sowie Karl-Ludwig Münkel waren stellvertretend zwei Asylbewerber aus Gambia, Lamin* und Ous*,

eingeladen, beide Fußballspieler des SC 08 Reilingen.

Freundlich beantwortete Kern die Fragen der Schüler, deren wichtigstes Anliegen die unangekündigte aktuelle nächtliche Abschiebung in Reilingen war. Momo*, einer der gambischen Fußballer des SC 08, wurde dabei - aufgrund des europäischen Dublin-Abkommens, wonach Asylanträge im Ankunftsland zu bearbeiten sind - gefesselt über Frankfurt nach Italien gebracht. Erst Tage später kam er halbverhungert wieder in Reilingen an, nachdem ihn die italienische Polizei einfach auf die Straße geschickt hatte.
"Ich bin schockiert über die Art der Abschiebung in der Nacht, mit Hundestaffeln und einem großen Polizeiaufgebot. Was tun wir den Menschen an, die völlig traumatisiert zu uns kommen und unsere Gäste sein sollten?", fragte unter anderem Julian, ein Seminarkursteilnehmer. Yilmaz ergänzte: "Warum unterwerfen wir uns dem Dublin-Verfahren? Gibt es keine menschenwürdigere Lösung, wenn ein Einreiseland wie Italien gar keine Kapazität für Asylanträge hat?"
Manfred Kern, der sichtlich schockiert über den Vorfall war, erklärte: "Ein solches Vorgehen ist in meinen Augen verfassungswidrig. Zumindest widerspricht es geltendem Recht; Momo und sein Anwalt hätten unbedingt vorher über die bevorstehende Abschiebung informiert werden müssen." Er versprach, sich dafür einzusetzen, dass diese nächtliche Vorgehensweise gestoppt werde.
"Welche Möglichkeiten sehen Sie für die Politik, Integration, gerade durch Sportvereine, zu fördern?", fragte Vanessa. "Eine Möglichkeit wäre es, die Fördergelder für Sportvereine unter anderem daran zu knüpfen, dass sie sich für Flüchtlinge öffnen", überlegte Kern.
Definition von Politik
"Wie definieren Sie Politik?", wollte Lamin wissen, der aus Gambia geflüchtet ist auf der Suche nach Sicherheit vor politischer Verfolgung und der Möglichkeit, einen Beruf zu erlernen. Die Antwort des Kultur- und Integrationspolitikers lautete: "Politik beginnt für mich da, wo ich den Menschen begegne; es ist wichtig, dass man den Gesprächspartnern zuhört und ihre Anliegen ernst nimmt. Das ist meine Mission." Schülerin Naomi hakte nach: "Gibt es für Sie Visionen, die sie politisch umsetzen möchten?" - "Meine Vision ist es, dass Menschen aus der ganzen Welt in unser Land einreisen können, dass etwa Roma aus dem Balkan, Familien aus Syrien, Flüchtlinge aus Gambia Bleiberecht erhalten, dass wir Bildung und Arbeit bieten. Es geht mir um Menschenrechte und um Gastfreundschaft, aber auch darum, dass in den Flüchtlingen ein Potenzial liegt, das Deutschland dringend braucht, um sich zukünftig wirtschaftlich behaupten zu können. Gleichzeitig müssen wir alles in unserer Macht stehende tun, damit die Verhältnisse in den Herkunftsländern sich bessern." (*Name geändert) zg