Reilinger SC 08 integriert Flüchtlinge mit Fußball

©Bericht und Bild RNZ

Elf gambische Flüchtlinge fanden durch den SC 08 erstmals wieder Halt und Lebensmut -

Derzeit läuft ein Integrationskurs

Von Stefan Kern

Reilingen. Die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende. Aber egal, wie sie auch ausgehen mag, eine Erfolgsgeschichte ist sie allemal. Seit knapp einem Jahr kümmert sich der SC 08 Reilingen und ein ganzes Netzwerk rund um Nicola Höfs um elf gambische Flüchtlinge. Wobei Kümmern das Ganze eigentlich nicht wirklich trifft, denn die jungen Männer seien auf so vielen Ebenen eine Bereicherung für den Verein und Reilingen, dass Höfs von Glück spricht, sie hier zu haben. "Sie lernen Deutsch, und ich lerne Welt." Und für den Verein selbst schießen die elf Gambier außerdem Tore. Und zwar in der ersten und zweiten Mannschaft. Der Fußballplatz mutiert hier also zu einem Integrationshotspot.

"Leuchtturmprojekt der Region"

Seit September 2014 spielen Ousman Kanyi, Adama Sowe, Bully Krubally, Camara Muhammed, Famara Darboe, Samba Jawo, Sarjo Fofana, Lamin Ceesay, Safor Kanten, Buba Jadama, Ali Jawo, Erdrisa, Madi und Abdulai beim SC 08. Und damit ist der Fußball für sie so etwas wie eine Brücke in die Mitte der Gesellschaft geworden. Viele von ihnen hatten Schlimmes erlebt. Hilflosigkeit und Ohnmacht auf der Flucht und in Teilen natürlich auch hier. Im Verein fanden sie erstmals wieder Halt und Lebensmut.

Neben dem unschätzbaren Erlebnis von Gemeinschaft im Verein ist in den vergangenen Monaten darüber hinaus ein ganzes Bündel an Maßnahmen angelaufen. Einziges Ziel, den elf jungen Männern eine Zukunft in Deutschland ermöglichen, damit sie sich wieder als Teil einer Gemeinschaft empfinden und gebraucht fühlen. Aktuell steht, auch dank des mit 2500 Euro dotierten Rotary Awards, gerade ein intensiver Integrationskurs an. In den 100 Stunden, so Höfs, gehe es bei Weitem nicht nur um Deutschkenntnisse. "Uns geht es darum, dass die Jungs hier auch all die Alltagsregeln und Umgangsformen kennenlernen."

Dazu gehören auch schon Kurse in Körpersprache, die Erfahrung von eigenen Fähigkeiten und Stärken, aber auch Schwächen und eine Sprache, mit der man eigene Wünsche formulieren kann. Dabei haben ganz einfache Dinge wie gemeinsam einen Einkaufszettel schreiben, einkaufen gehen sowie anschließend gemeinsam kochen und essen große Effekte.

Ganz wichtig ist dem Verein dabei, dass die Elf irgendwie einen Fuß in die Arbeitswelt bekommen. Egal, ob Praktikum, Ausbildung oder Arbeitsplätze im Handwerk, wichtig sei nur, dass sich die Stelle in Reilingen oder der näheren Umgebung befindet. Wunschbereiche sind Unternehmen in den Bereichen Gärtnerei, Sanitär, Dachdecker, Zimmerei, Maler, Logistik, Elektrizität und Schreinerei. Aber auch Jugendarbeit oder Altenpflege seien vorstellbare Berufsfelder. Natürlich gebe es keine Zeugnisse. Aber, so Höfs, "es sind sehr motivierte Mitarbeiter".

So wichtig wie eine integrationsbereite Gesellschaft sei die Bereitschaft jedes Einzelnen, sich einzubringen. Und mit dem Erlebnis Fußball und dem SC 08 im Hintergrund, der Freude am Spiel und dem Gefühl, dazuzugehören, scheint das mit der Motivation zu klappen. Kein Frust oder Resignation, sondern der Wille dabei zu sein und in die Mitte zu gehören.

Das ist auch der Grund dafür, dass der Präsident des Rotary Clubs, Andreas Kunze, in Sachen Flüchtlingsarbeit von einem "Leuchtturmprojekt in der Region" spricht. "Die Gesellschaft braucht Orte der Begegnung, um Vorurteile zu überwinden und den Menschen eine neue Heimat zu geben. Einer dieser Orte ist der SC 08 Reilingen."

Uli Kief, der 1. Vorsitzende des SC 08, ist denn auch sichtlich stolz auf seinen Verein und die gambischen Spieler. Bedauerlich sei nur, dass jederzeit eine Abschiebung drohe. Das stelle das Engagement des Vereins und so vieler Menschen infrage. Unsicherheit zerstöre Zuversicht.

Höfs wünscht sich denn auch eine Art Politikwechsel, und zwar "Menschen unterstützen und nicht zermürben".


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