„Bin ein Teil der Mannschaft“

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 06.10.2015

REILINGEN/MANNHEIM. Der 23. August 2015 war ein besonderer Tag in der Vereinsgeschichte des SV Babelsberg 03. Dass der Klub zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder eine dritte Mannschaft in den Spielbetrieb schickte, war hierbei nur eine Randerscheinung. Dass dieses Team unter dem Namen Welcome United Babelsberg startete, war hingegen spektakulärer. Als erster Verein Deutschlands integrierte der Klub aus Potsdam eine Mannschaft in seine Vereinsstrukturen, die nur aus Flüchtlingen besteht und in dieser Saison in den Spielbetrieb aufgenommen wurde.

Doch auch im Mannheimer Fußballkreis leisten die Vereine vorbildliche Arbeit bei der Integration von Flüchtlingen. Vorreiter und quasi Pionier war hierbei der SC 08 Reilingen, der im vergangenen Jahr Spieler aus Gambia in den Trainingsbetrieb einbaute. "Im Sommer 2014 fragten vier Gambier nach, ob sie in Reilingen mittrainieren dürfen. Wir stimmten zu, danach standen 17 Mann da, teilweise barfuß, mit Jeans und Straßenschuhen", erinnert sich SC-Präsident Uli Kief.

"Überragender Erfolg"

"Wir starteten nach einigen Wochen einen Aufruf an die Mitglieder und Bevölkerung hinsichtlich Winterkleidung und Decken. Das war ein überragender Erfolg und alle 28 in Reilingen untergebrachten Gambier, ob Fußballer oder nicht, wurden erfolgreich versorgt."

Mit weiteren Aktionen unterstrich der Klub, dass das Wort "Integration" auch mit Leben gefüllt wurde. Inzwischen zählten Lamine Ceesay und Muhammed Camara zu festen Größen in der A-Klasse-Mannschaft der Reilinger. "Hier bin ich kein Flüchtling, sondern ein Teil der Mannschaft. Gemeinsam mit den Mitspielern zu kämpfen und zu gewinnen, ist ein sehr schönes Gefühl", sagt Ceesay. "Durch die Hilfe der Menschen sind wir ein Teil von Reilingen geworden, beginnen, die deutsche Sprache zu sprechen und wissen, wo wir uns hinwenden müssen. Ohne den integrativen Deutschkurs, der mit Unterstützung des SC 08 Reilingen initiiert wurde, wären wir immer noch aufgeschmissen."

Doch auch der A-Ligist unterliegt hier rein sportlich gesehen den Problemen der Nachhaltigkeit. Derzeit leben nur noch elf Gambier in Reilingen, alle anderen wurden im März dieses Jahres nach Wiesloch umverteilt. "Wenn nicht klar ist, ob die Jungs im nahen Umkreis bleiben, sind die Vereine eher zurückhaltend", glaubt Kreisvorsitzender Harald Schäfer. "Ansonsten gehen die Vereine offen auf Flüchtlinge zu. Ich glaube, die Bereitschaft zur Hilfe ist überall vorhanden."

Auch Mehmed Paljevic sieht die zeitliche Komponente als schwierig an. "Wir müssen internationale Spielerwechsel beantragen, dazu die Pässe anfordern, was alles Zeit und Geld kostet. Wenn dann die Spieler nur für ein paar Wochen da sind, bleiben wir auf den Kosten sitzen", sagt das Vorstandsmitglied des FK Bosna Mannheim. Dennoch zeigt sich der Klub auch weiterhin offen und beherbergt Spieler aus Pakistan, Bulgarien und Afrika, die demnächst auch die Spielerlaubnis erhalten sollen.

Den tristen Alltag auflockern

Auch beim FC Germania Friedrichsfeld wurde vor der Saison ein Sporttag für Flüchtlingskinder abgehalten, bei dem die Kinder Fußballschuhe und Trikots erhielten. Zudem folgte die Friedrichsfelder Bevölkerung großzügig einem Spen-denaufruf. "Die Aktionen war natürlich hervorragend geeignet, die Kinder ein bisschen aus ihrem Alltag zu reißen. Viele haben ja auch zum ersten Mal Fußballschuhe bekommen", sagt FC-Vorsitzender Bernd Hoffmann.

Spieler aus Gambia integriert haben ferner auch die SG Hemsbach/ Sulzbach (Kreisliga) und der KSC Schwetzingen (C-Klasse). "Sie erzählen uns von ihren Erlebnissen, die wir nicht nachempfinden können, da wir in Europa solche Situationen einfach nicht haben", erklärt KSC-Spielausschuss Erkan Akbay.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 06.10.2015


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